14. Juli 2026

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Was Ein Arbeiter 1924 Im Cannstatter Travertin Fand — Warum Es Als Fälschung Verschwand

 

Im Frühjahr 1924 trieb ein Steinbrucharbeiter namens Jakob Renz eine Eisenstange in einen Travertinblock im alten Cannstatter Steinbruch, oberhalb des Neckars vor den Toren Stuttgarts — und hörte einen metallischen Klang, wo fester Stein sein sollte. Eingeschlossen im Travertin: die Kante eines gegossenen Bleikreuzes, 45 Zentimeter lang, auf beiden Seiten mit mittelalterlichem Latein bedeckt. Darunter ein zweites Kreuz. Eine Bleiklinge. Eine beschriftete Tafel. In den folgenden Wochen kamen mehr als 30 Bleiobjekte aus derselben Steinschicht — jedes versiegelt in einer Travertinkruste, die sich nicht in Jahren, sondern über Jahrhunderte bildet.

Die Inschriften erzählten von einer Siedlung namens Silvana: Kolonisten, die einen weiten Weg in ein bewaldetes Flusstal zurücklegten, ihre Anführer, ihre Kriege, ihr langsamer Niedergang — 125 Jahre einer lateinisch schreibenden Gemeinschaft, die in keiner Chronik des Neckartals auftaucht. Das Latein war nicht klassisch. Es war rau, einfach, frühmittelalterlich — das Latein, das ein Schreiber um das Jahr 800 tatsächlich geschrieben hätte.

Ein Professor aus Tübingen barg die Objekte selbst, mit Zeugen und Kamera, noch in der Kruste. Nach zwei Jahren hörte er auf und sagte nie, warum. Der Fund ging ins Depot des Landesmuseums, und der Satz „wahrscheinlich eine Fälschung“ verfestigte sich um ihn herum — genau so, wie der Travertin sich um das Blei verfestigt hatte. Eine formelle Feststellung gab es nie. Nur Schweigen.