14. Juli 2026

alliance-earth.org

Medien- und Radioteam

Den regelbasierten Werten hilflos ausgeliefert

 

Keine Reaktion

Das Problem liegt darin, dass viel zu viele immer noch versuchen, ihren Frust zu verdrängen und auf unterschiedlichste Weise vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Da rumpelt Donald Trump schlecht gelaunt zu den NATO-Kumpanen in Ankara, macht den Spanier zur Sau, weil der nicht mit Pauken und Trompeten am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf den Iran teilgenommen hat – und …?

Und nichts.

Worin besteht das Interesse der EU an einem heißen Krieg

Wenn ich mich recht erinnere, gehört Spanien nicht nur der NATO an, sondern auch der EU. Worin besteht das Interesse der EU an einem heißen Krieg am Golf, der ja von eben diesem Trump gerade eben wieder in die Verlängerung befohlen wurde? Was ist so wichtig, dass man Israel und die USA gewähren lässt, dabei sehenden Auges eine nächste, schwere Energiekrise auf sich nimmt, die hervorrragend geeignet ist, diese ganze EU – Deutschland voran – in eine schwere Depression zu stürzen? Wie kann es sein, dass diese EU sich nicht schützend um das Mitglied Spanien schart, wenn Trump verkündet, er habe angewiesen, jeglichen Handel mit Spanien abzubrechen?

Der eine fragt: Was kommt danach?
Der andre fragt nur: Ist es recht.
Und also unterscheidet sicht
der Freie von dem Knecht.
(Theodor Storm)

Es lohnt sich, über diesen Aphorismus ein bisschen nachzudenken. Storm hat da nämlich eine Falle gebaut, die, je nach der eigenen, inneren Einstellung des Rezipienten, zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Für manche ist es der Freie, der vorausschauend nach Folgen und Konsequenzen fragt, während der Knecht einfach Anweisungen ausführt und sich auch noch vergewissert alles richtig gemacht zu haben. Andere hingegen sehen den Freien darin, dass er selbständig entscheidet und tut, was er für richtig (recht) hält, während der Knecht nichts selbst verantwortet, sondern immer nur wissen will, was als er nächstes tun soll.

Wir wissen es doch längst

Wer sein geostrategisches Wissen nicht nur jeden Abend vollständig neu geframt aus der Tagesschau bezieht, weiß, dass der Iran schon seit über 20 Jahren im Fadenkreuz der USA steht. Wesley Clark, ehemaliger US-General, hat es 2007 öffentlich gemacht, dass der Plan der  USA seit 2001 vorsah, innerhalb von fünf Jahren durch Kriege, bzw. den Sturz der Regierung, die Kontrolle über sieben Staaten im Nahen Osten zu gewinnen. Genannt wurden Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und eben der Iran.

Das mit den fünf Jahren hat nicht so ganz geklappt, aber ansonsten…

Das Vorgehen der USA folgt zweifellos einer langfristig angelegten Strategie, mit dem Ziel, auf ewig unangefochten als stärkste Macht die Entwicklung der Menschheit maßgeblich zu beeinflussen. Dies macht die Bereitschaft und die Fähigkeit erforderlich, jederzeit und überall auf der Welt militärische Gewalt zu entfalten, wo eine Konkurrenz entstehen könnte. Unter dieser Betrachtungsweise lässt sich nachvollziehen, dass Russland in die Ukraine gelockt wurde, um in einem Abnutzungskrieg geschwächt zu werden, dass nun der Iran – als Russland und China nahestehende Macht – zerschlagen werden kann, weil Russland die Kapazitäten fehlen, um noch nennenswert zu unterstützen, um dann in das finale Ringen mit China einzusteigen.

Es ist immer noch Faustrecht

Das kann man so machen, wenn man sich stark genug fühlt. Moral ist dabei eine Kategorie, die keine Rolle spielen darf. Das funktioniert aber nur, wenn niemand aus dem eigenen Einflussbereich aus der Reihe tanzt, sondern alle mittun und die gleiche Schuld auf sich laden. Insofern ist es kein Widerspruch, wenn Trump tönt, er brauche die NATO nicht, sich aber zugleich empört, wenn sich nicht alle willig in seine Kriege einbinden lassen. Es ist der Widerstand, der ihn zur Weißglut reizt, weil der Widerstand aus den eigenen Reihen an „Werte“ erinnert, die mit Füßen getreten werden müssen, um das Ziel zu erreichen.

Da ist es schon besser, sich wegzuducken, bis der Anfall vorbei ist. Oder?

Die EU als Beifang der US-Expansionspolitik

Was denkt, was plant man in Brüssel, Paris, London und Berlin? Gegen welchen Feind wird verzweifelt aufgerüstet?

Nüchtern betrachtet muss die EU doch als geplanter Beifang der US-Expansionspolitik angesehen werden. Deutlicher als Joe Biden es gegenüber Olaf Scholz zum Ausdruck gebracht hat, kann man es nicht ausdrücken. Sobald Russland in die Ukraine-Falle tappt, schneiden wir euch von der sicheren und preiswerten Energieversorgung ab. Neben den selbstgemachten Energieproblemen war dies doch der entscheidende Schlag gegen die Wirtschaftskraft Deutschlands und damit auch der EU. Der nächste Schlag, nachdem das Feuer angeheizt und jede Aussicht auf schnellen Frieden beerdigt war, war der Rückzug der USA aus der Kriegsfinanzierung. Ein weiterer schwerer Schlag gegen die EU, der zu massiver Neuverschuldung zwingt und selbst den deutschen Staatshaushalt in eine bedrohliche Schieflage bringt. Nun die Schläge gegen den Iran, die zu einer erneuten Sperrung der Straße von Hormus und wahrscheinlich auch zur Sperrung der Straße von Bab el Mandab führen, während die bereits vorgeschädigten Öl- und Gasförderanlagen rings  um den Golf vollends zerschlagen werden.

Dies muss auch im Zusammenhang mit den – wie die Pipeline-Sprengung – ebenfalls der Ukraine zugeschriebenen Langstreckenangriffen auf die russische Energie-Infrastruktur betrachtet werden. Das Ausmaß der Schäden dürfte immens sein. Die Kraftstoffversorgung Russlands ist erheblich gestört. Inwieweit die Energieexporte in Richtung Indien und China noch aufrecht erhalten werden können, ist unklar. Selbst wenn die EU darum bitten würde, und selbst wenn Russland wollte, die Möglichkeiten, wieder Energie aus Russland zu beziehen, dürften ebenso beeinträchtigt sein.

In Abhängigkeit

Die vermeintlich gefährliche Abhängigkeit der EU von den Golfstaaten – der nach dem ersten Ölpreis-Schock mit dem Ausbau der Kernenergie begnet wurde – und die vermeintlich gefährliche Abhängigkeit von russischem Gas, das durchaus in der Lage gewesen wäre, den Ausstieg aus der Kernenergie zu kompensieren, wurde nun durch eine wirkliche Abhängigkeit von Energielieferungen aus den USA des sprunghaft unberechenbaren Präsidenten Trump ersetzt.

Trump hat uns am Haken.

Das Energiedebakel, das die Wettbewerbsfähigkeit schwächt, verbunden mit dem Lockruf an die Konzerne, in den USA zu investieren und dort Produktionen aufzubauen, wird durch das EU – USA Zollabkommen noch verstärkt, das seit dem 1. Juli 26 alle US-Exporte in die EU zollfrei lässt, EU-Exporte in die USA aber pauschal mit 15 % Zoll belastet. Dies wird die Deindustrialisierung Deutschlands weiter beschleunigen. Die auf den Energiepreisen beruhende Teuerung, der keine Steigerung, sondern ein Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenübersteht, wird den Verarmungsprozess ebenso beschleunigen, wie die vom Staat notgedrungen zu beschließenden Leistungskürzungen bei gleichzeitiger Anhebung von Steuern und Sozialbeiträgen. Daraus folgen weitere negative Entwicklungen auf dem Binnenmarkt, da schlicht die Kaufkraft fehlt, um den Konsum aufrecht zu erhalten. Weitere Stellenstreichungen, Betriebsaufgaben und Insolvenzen sind zu erwarten.

Lieber tot als rot

Der Frust, in diese missliche Lage geraten zu sein, müsste überwältigend groß sein.

Doch sucht man vergebens nach Anzeichen dafür. Statt Auswege zu suchen, geht es mit Hurra-Gebrüll in die Kriegstüchtigkeit. Statt die Groschen zusammenzuhalten und sie zur Verfolgung eigener Interessen einzusetzen, werden schon wieder 140 Milliarden für die Ukraine abgezweigt, um den Krieg für weitere zwei Jahre zu verlängern. Als ob es ein Segen für die EU wäre, irgendwann, wenn Putin geschlagen sein und sich zurückgezogen haben sollte, die am Boden zerstörte und auch dann wahrscheinlich noch hochkorrupte Ukraine als Mitglied aufzunehmen und mit weiteren Gemeinschafts-Schulden in Höhe von vielen hundert Milliarden wieder aufzubauen und vor allem wieder hochzurüsten.

Sind daran noch irgendwelche Anzeichen einer eigenständigen europäischen Außenpolitik zu erkennen? Vertritt da noch irgendjemand die Interessen der Völker der EU-Staaten? Wer fürchtet, eine andere Politik würde dazu führen, dass Russland die Staaten der EU unverzüglich überfallen und annektieren wird, mag das bejahen. Wie hieß das früher doch gleich? Lieber tot als rot! Sonderbar, dass diese alte Parole nicht längst reaktiviert worden ist.

So, und was machen wir nun mit unserem kleinen persönlichen Frust?

Wir müssen ja nicht nur letztlich für alles aufkommen, wir werden auch noch dazu gezwungen, den Mund dazu zu halten. Nicht mit vorgehaltener Waffe, aber mit allen Mitteln der Kontrolle und Überwachung, die den staatlichen Akteuren zur Verfügung stehen, und um deren Einsatz sie kämpfen wie die Löwen, sollte sich Widerstand regen, wie zuletzt im EU-Parlament wegen der übergriffigen, jedem Postgeheimnis früherer Zeiten hohnsprechenden Chat-Kontrolle. Darüber musste nun das EU-Parlament im Eilverfahren schon wieder abstimmen, nachdem zwei frühere Abstimmungen nicht zum Ziel geführt haben. Nun ist es gelungen.

Mir fällt dazu eigentlich nur ein Begriff ein: Affenzirkus!

Abstimmen lassen, bis das Ergebnis passt, ist nicht Abstimmung, sondern Dressur. Ob mit Bestrafung oder Belohnung ist dabei egal. Ich denke, dass die Kommission schon versucht haben wird, genug Zucker in die richtige Richtung zu streuen, um ihren Willen zu bekommen.

Hadmut & Dushan

Vor lauter frustrierenden Themen komme ich immer wieder vom persönlichen Frust ab, über den ich doch auch noch schreiben will.

Zunächst möchte ich aus der Bandbreite der Strategien zur Frustbewältigung zwei Beispiele aus den Blogs erwähnen, bei denen ich regelmäßig mitlese. Da ist auf der einen Seite Hadmut Danisch, der regelmäßig sinngemäß schreibt: „Das wird noch lustig! Holt euch eine Tüte Popcorn!“, und auf der anderen Seite der Skala Dushan Wegner, der seine Rettung immer mehr in der Besinnung auf die Religiosität sucht und auch davon schwärmt, wie gut es sei, sich in seinen kleinen, privaten Innenhof zurückziehen zu können. Ich schätze beide sehr, das muss gesagt werden, um zu betonen, dass es sich bei meinen Beobachtungen nicht um Kritik, sondern um Feststellungen handelt, und bei diesen Feststellungen sogar um Anregungen für meine Leser, nämlich, ob man, wie Danish, besser dran ist, das alles (und sich selbst) nicht so tierisch ernst zu nehmen, oder, wenn man, wie Wegner, Zuversicht dort sucht, wo man mit sich selbst im Reinen ist und sich in Gottes Hand geborgen fühlen darf.

Kritsch und angriffslustig sind sie jedoch – auf ihre Art – beide.

Raus aus der Resignation

Das ist es, was mir bei vielen fehlt, bei denen zu erkennen ist, dass sie einfach nur in eine stoisch-zynische oder verbitterte Resignation verfallen und angesichts der Übermacht einfach aufgeben.

„Das hilft doch alles nichts!“, ist die Standard-Argumentation. Es schwingt dabei die Ungeduld mit, die so manchen guten Ansatz zu früh hat scheitern lassen, weil es halt so lange dauert, bis der stete Tropfen den Stein höhlt. Es ist diese Ungeduld, die den Blick auf die eigene Kraft und deren Anteil am Fortschreiten der Veränderung trübt. Die linksgrüne Ideologie hat in Deutschland von den 60er Jahren bis zum 8. Dezember 2021 gebraucht, bis daraus ein Vizekanzler und eine Außenministerin erwachsen sind. Aber mit diesem Höhepunkt hat auch ihr Zusammenbruch begonnen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Merz als Gegner dieser Ideologie Wahlkampf gemacht hat, nur um dann erst einmal am eigenen Anspruch zu scheitern. Es knirscht im Gebälk, die Pfeiler wanken, und der Einsturz der Tribüne im Weser-Stadion, als Folge von Umbauarbeiten, mag als Hinweis dafür dienen, wie schnell und unverhofft sich die Dinge verändern können.

Nein. Wir sind weder gezwungen, die Regeln der angeblich regelbasierten Weltordnung zu akzeptieren, denn wir waren an deren Verabredung nicht beteiligt, noch sind wir gezwungen immer neuen „Werten“ zuzustimmen, unter denen unsere alten, bewährten Werte Tag für Tag tiefer verschüttet werden.

Wir sind dem Wandel nicht hilflos ausgeliefert.

Bert Brecht hat das perfekt zusamengefasst: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Jeder an seinem Platz, jeder nach seinen Fähigkeiten, natürlich.

Bedenken Sie: Was wäre das beste Heer, ohne den Küchenbullen an der Gulaschkanone?

 

Den regelbasierten Werten hilflos ausgeliefert