Juni 1913. Ein Fischertaucher aus Prien am Chiemsee tastet sich durch den Schlamm vor Herrenchiemsee — und findet keine Ankerkette, sondern einen mannshohen Helm aus Bronze.
Zwei Beamte aus München stehen weniger als eine Stunde am Steg. Dann verladen sie den Fund, schreiben eine Quittung über „2 bronzene Ritualkessel, Epoche unbestimmt“ — und fahren ab. Kein Bericht folgt. Keine Zeichnung. Kein Museumseintrag. 112 Jahre lang besteht die offizielle Akte aus sieben Wörtern auf einer Frachtquittung.
Ein Kessel hat keine Wangenklappen. Keine Kinnriemen-Öse. Keine Polsterhalterungen im Inneren. Die Männer aus München wussten das — und schrieben trotzdem Kessel.
