14. Juli 2026

alliance-earth.org

Medien- und Radioteam

Woher kommt der rätselhafte Brummton, wie viele Menschen hören ihn – und warum?

 

Nicht sichtbar, nicht greifbar und doch hörbar. Viele Menschen klagen über einen Brummton. Tief, gleichförmig, penetrant. Die Ursachen reichen von technischen Geräten bis hin zu organischen Ursachen. Neu ist das Phänomen nicht. Es wurde schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts während der Industriellen Revolution beobachtet. Von Frank Schwede

Manche Menschen hören Töne, die andere nicht hören, haben ein großes Problem: ein Glaubwürdigkeitsproblem. Weil sich ihre Erzählungen häufig nur schwer oder gar nicht überprüfen lassen, werden sie oft als Wichtigtuer oder Simulanten abgestempelt.

Dabei haben verschiedene internationale Studien nachgewiesen, dass rund zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung für Brummtöne im niederfrequenten Bereich anfällig sind, auch als Brummton-Phänomen bekannt.

Betroffene klagen häufig über Schlafstörungen, Herzrasen und Kopfschmerzen. Besonders schlimm ist es im Bett. Nachts, wenn man Ruhe haben möchte und das Brummen Betroffenen den letzten Nerv raubt.

Wie genau sich tieffrequenter Lärm auf unseren Organismus auswirkt, dazu gibt es zwar noch nicht viele Studien; doch ähnlich wie anderer Lärm auch, kann die Belästigung durch ein dauerhaftes tiefes Brummen zu Bluthochdruck, Pulsbeschleunigung und Schlaflosigkeit führen und sogar Depressionen auslösen oder begünstigen.

Betroffene erinnert der Ton an das Geräusch einer Heizung, eines Kühlschranks oder eines leistungsstarken Dieselmotors, der in regelmäßigen Abständen in der Ferne im Stand läuft. Er liegt in einem so tiefen Frequenzbereich, dass er die Grenze des menschlichen Hörvermögens erreicht.

Dieses noch immer teilweise unerklärte Phänomen wurde schon im 19. Jahrhundert erwähnt, insbesondere während der Industriellen Revolution. Ab den 1970er Jahren wurde der Brummton zunächst in Großbritannien, dann auch in anderen Ländern immer häufiger wahrgenommen.

In England ist es der Bristol Hum, in Kanada der Windsor Hum. Das Phänomen beschäftigt Betroffene gleichermaßen und treibt sie nicht selten in den Wahnsinn, weil sie den Ton nicht einfach abschalten können wie ein Radiogerät oder einen Fernseher.

Mit hochsensiblen Messgeräten suchen Experten seit Langem nach einer Ursache – bislang meist ohne Erfolg. Tonspuren auf Videos zeigen, dass das Geräusch in vielen Fällen akustischer Natur ist, dennoch findet sich nur selten ein Hinweis auf die Quelle.

Nach Aussage von Experten ist es nach wie vor kaum möglich, eindeutig zwischen echtem Brummen, Hörproblemen, etwa einem Tinnitus, oder einer psychischen Störung zu unterscheiden, wenn jemand von dem Brummen erfährt und es plötzlich auch hört.

 

Ein Fall von Massenhysterie?

Die Ursache ist in diesem Fall: Das menschliche Gehirn ist zur akustischen Eigenwahrnehmung fähig. Man kann also durchaus etwas wahrnehmen, was keiner äußeren Schallquelle entspringt.

Dennoch ist es nach Aussage von Experten wichtig, die Beschwerden von Brummton-Betroffenen ernst zu nehmen, herauszufinden, ob nur die Angst vor dem Brummen schuld an den Symptomen ist oder ob das Geräusch tatsächlich existiert.

Eine in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlichten Studie der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) legt nahe, dass das Geräusch nicht von außen kommt.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Markus Drexl hat 28 Betroffene befragt und untersucht, die das Brummen wahrnehmen. Unter anderem wurde geprüft, ob die Personen ein außergewöhnlich empfindliches Gehör für tiefe Frequenzen haben und deshalb schwache äußere Geräusche hören können.

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die meisten über ein völlig durchschnittliches Hörvermögen verfügen. Deshalb kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass das Phänomen bei den meisten Betroffenen durch einen subjektiven Tinnitus im tieffrequenten Bereich verursacht wird, eine innere biologische Anomalie des Hörsystems.

Auch wenn vielleicht in vielen Fällen eine reale Geräuschquelle nicht ausgeschlossen werden kann, zeigt das Ergebnis, dass das quälende Brummen für Millionen Menschen vermutlich aus dem eigenen Körper stammt.

Glen McPherson, selbst Betroffener und Gründer des Projekts „World Hum Map“ vermutet, dass das Brummen eine physikalische Ursache hat, durch ein Konglomerat niederfrequenter Töne und Infraschall entsteht, etwa durch Autobahnlärm oder Industrieanlagen.

Vor allem die zunehmende Verbreitung von Wärmepumpen in Wohnsiedlungen erzeugt in der kalten Jahreszeit ein nahezu ununterbrochenes Brummen, das vor allem in den Nachtstunden bei abnehmendem Umgebungslärm deutlich zu hören ist.

Auch industrielle Lüftungsanlagen, elektrische Transformatoren, Pumpstationen sowie Schiffs- und Schienenverkehr erzeugen Infraschall, der sich über weite Strecken ausbreiten kann.

Allerdings hat die Studie von MacPherson einen kleinen Schönheitsfehler, sie kann nämlich beweisen, dass die Probanden auch nach dem Aufenthalt in einem von Schallwellen abgeschirmten Raum das Geräusch weiterhin wahrnahmen, was das Ergebnis der norwegischen Studie bestätigen könnte.

 

Betroffene tauschen sich aus

Eine weitere oft zitierte mögliche Erklärung sind mikroseismische Aktivitäten, ausgelöst durch den Aufprall von Wellen auf den Meeresboden.

Der Druck der Wellen auf den Meeresboden erzeugt seismische Wellen, die die Erde in Schwingung versetzen, erklärt Fabrice Ardhuin, ein französischer Forscher, der seine Studie in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlichte.
Auf Facebook existiert seit 2015 eine Gruppe namens „Das Brummton-Phänomen“.

Dort finden sich Menschen aus nahezu allen europäischen Ländern zusammen, um sich auszutauschen, einander zu ermutigen und gemeinsam über Ursachen und Lösungen des Problems zu diskutieren.

Viele der Betroffenen sprechen von einem unsäglichen Leidensdruck, dem sie durch den Dauerton ausgesetzt sind. Betroffene schreiben deshalb einander zum Beispiel mit „Liebe Leidensgenossen“ an.

Im österreichischen Brummton-Hotspot Deutschlandsberg schlossen sich sogar mehrere Einwohner zu einer Bürgerinitiative zusammen, um gemeinsam den Grund für die Geräuschepidemie herauszufinden – bislang jedoch ohne Erfolg; denn die Suche nach der Ursache für das Brummen gestaltet sich auch dort als notorisch schwierig.

Die im Zusammenhang mit dem Brummen berichteten gesundheitlichen Auswirkungen sind für Betroffene oft erheblich. Sie reichen von chronischen Schlafstörungen, über Kopfschmerzen, Übelkeit, Nasenbluten bis hin zu starken Stresssymptomen.

86 Prozent aller Betroffenen beschreiben das Geräusch als zutiefst belastend. In Großbritannien wurden sogar mehrere Suizide mit dem Brummen in Verbindung gebracht.

Obwohl der Ursprung weitgehend unbekannt ist, mangelt es nicht an Vorschlägen. Sie reichen von geologischen oder atmosphärischen Phänomenen über Infraschall aus industriellen Prozessen, Öl- und Gasexplosionen, Bohrungen, Leckagen in Rohrleitungen, Mobilfunktürmen, Windkraftanlagen, Wärmepumpen, Niederfrequenz-U-Boot-Kommunikation, HAARP, Baustellen, Gleisbettwartung.

Das sogenannte Windsor-Brummen, das als tiefes, 35-Hz-Geräusch seit 2010 von Tausenden Einwohnern der Stadt Windsor im kanadischen Ontario, wahrgenommen wird, ist eines der wenigen Fälle, für die es eine bestätigte Erklärung gibt.

Nachdem Anwohner über Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlafstörungen klagten, wurde das Phänomen genauer untersucht. Im Jahr 2013 wurde in einer Studie der Universität Windsor unter der Leitung von Professor Colin Novak das Stahlwerk auf Zug Island im US-Bundesstaat Michigan als wahrscheinliche Ursache genannt.

Das konnte im April 2020 bestätigt werden, nachdem US Steel aufgrund von Corona den Betrieb auf Zug Island einstellen musste. Das Brummen verstummte. Nach der Abschaltung der Hochöfen gab es keine weiteren Beschwerden.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist die berühmte Golden Gate Bridge in San Francisco. Nach ihrer Sanierung im Jahr 2020 wurden neue Windschutzwände auf der Brückenfahrbahn installiert, was für die Anwohner nicht ohne Folgen blieb.

Unter bestimmten Windbedingungen erzeugt die Brücke aufgrund besonderer aerodynamischer Eigenschaften ein tiefes, anhaltendes Brummen, das über weite Entfernung zu hören ist.

Vielfach wird auch vermutet, dass das Brummen aus atmosphärischen Schichten stammen könnte, etwa der Erdmagnetosphäre, die die Erdoberfläche vor Sonnenwinden schützt.

Wenn die Magnetosphäre durch einen koronalen Massenauswurf (CME) gestört wird, vibriert sie, ähnlich wie eine Glocke, die mit einem Hammer angeschlagen wird, erklärt Geophysiker Ciaran Beggan .

Sogar die Schumann-Resonanz, elektromagnetische Wellen mit extrem niedriger Frequenz (ELF), können von vielen hochsensiblen Menschen als Brummgeräusch wahrgenommen werden, obwohl hier der wissenschaftliche Zusammenhang noch nicht eindeutig geklärt ist.

Das Taos-Brummen, wie es nach dem Ort seines bekanntesten Auftretens im US-Bundesstaat New Mexiko auch genannt wird, kann mit naturwissenschaftlichen Methoden bisher nicht erklärt werden.

Das hat nach Aussage von Experten viele Gründe, weil bei diesem Phänomen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, deren Symptome sich stark ähneln, was die Forschung umso komplexer macht.

Quellen: PublicDomain/Frank Schwede für PRAVDA TV am 08.07.2026